Philosophie

Fotografischer Werdegang und Philosophie

Mein Interesse an der Fotografie wurde in meiner Mittelschulzeit durch einen Klassenkameraden geweckt, der selber Fotos entwickelte.

Als Geschenk zur bestandenen Matura ließ ich mir neben einer Gitarre auch eine Spiegelreflexkamera schenken – zwei Instrumente, die für mich bis heute lebensprägend sind. Nach mehreren Minolta-Modellen habe ich vor längerer Zeit einen Systemwechsel zu den Canon EOS-Produkten vollzogen, zuerst analog, seit einigen Jahren dgital (momentan EOS 50).

In den neun Jahren, die ich als Franziskaner im Kloster verbrachte, war es zuerst mein Novizenmeister in Tirol, P. Peter Paul Maier, selbst begeisterter Wanderer und Fotograf, der mich sehr ermunterte, mich mit Makrofotografie und mit dem Fotografieren in der Natur zu beschäftigen und mir auch Literatur zum fotografischen Gestalten zur Verfügung stellte.

Zeit des Experimentierens

Im Studienkloster in Wien (1981 – 1989) fand ich dann ein altes Vergrößerungsgerät vor, richtete mir eine Dunkelkammer ein und eignete mir mit Hilfe von Fachliteratur grundlegende Kenntnisse im Entwickeln von Scharz-Weiß-Bildern an, eperimentierte aber auch mit verschiedenen Labortechniken wie Solarisationen, Colorierungen usw. Dabei stieß ich auch auf die Technik des „Ätzbleichens“ – ein Mittel zur grafischen Reduktion auf Kontraste, Linien und Strukturen. Mit diesen Bildern war ich in den 1990er-Jahren auch auf Kunsthandwerksmärkten präsent. Fotografisch war ich in diesen Jahren sehr viel in den Wiener Fußgängerzonen, aber auch in den Praterauen unterwegs und fotografierte vorwiegend mit S/W-Filmen, die ich selber entwickelte. Einige Bilder aus dieser Zeit findest du in der Fotogalerie im Album „Experimente und S/W“.

Schule des Sehens

Für Naturaufnahmen griff ich aber sehr oft auch zu Diafilmen. Gerade das Fotografieren auf Diafilm empfand ich als eine ausgezeichnete Schule des Sehens, denn hier kann man nachträglich nichts mehr retuschieren oder beschneiden. Das Bild muss gestaltet werden (Standpunkt, Lichtverhältnisse, Ausschnitt etc.), bevor der abschließende Druck auf den Auslöser passiert. Und noch heute bin ich überzeugt davon, dass auch die hochauflösendste Digitalkamera noch meilenweit entfernt ist vom Detailreichtum und der Durchzeichnungsfähigkeit eines guten Dias.

Als Literatur vertiefte ich mich damals neben Fotozeitschriften v.a. in die Bücher von Andreas Feininger (Die Hohe Schule der Fotografie, Kompositionskurs der Fotografie, Richtig sehen – besser fotografieren), der den Schwerpunkt nicht auf den technischen Umgang mit den Geräten, sondern auf die subjektive Wahrnehmungs- und Gestaltungsfähigkeit des Fotografen/der Fotografin legt. Standardwerke, die ich bis heute (trotz ihres technisch mittlerweile altertümlichen Flairs) sehr empfehlen kann für jeden, der mit seiner Kamera mehr als nur knipsen will.

Fotografie pur

Bis heute versuche ich an meinen Bildern so wenig wie möglich zu manipulieren. Den Wechsel zur Digitalfotografie vollzog ich nach anfänglichem Zögern (s.o. „Qualität von Dias“) mit zunehmender Überzeugung, einerseits wegen der Notwendigkeit, Bilder digital zur Verfügung zu haben (für die Gestaltung mehrerer Internetseiten ebenso wie für Layoutarbeiten an diversen Printpublikationen), andererseits aber auch, weil ich nach ca. 30.000 Dias nicht mehr wusste, wo ich sie lagern sollte und merkte wie mühselig und mit Qualitätsverlusten behaftet (oder teuer) das Scannen von Dias ist. Rasch war mir aber auch klar, dass ich auf die Gestaltungsmöglichkeiten mit einer Spiegelreflexkamera nicht verzichten wollte.

In meine Bilder kommt nur Natur rein! Auch wenn die Möglichkeiten digitaler Bildbearbeitung scheinbar grenzenlos sind, liegt mir selber mehr an einer „ehrlich“ erlebten und errungenen Aufnahme als an einem nachträglich „perfekt“ gemachten Bild. Fotografieren ist für mich wesentlich Entdecken. Und so stehe ich, anstatt mich stundenlang mit Bildbearbeitungsprogrammen herumzuschlagen, viel lieber 10 Minuten regungslos in der Landschaft (wenn ich einmal einen guten Standpunkt gefunden habe) und warte, bis die Sonne wieder genau hinter der Wolke hervorkommt, oder entwickle einiges an Geduld (etwa vor den Pyramiden), bis auch der letzte knipsende Japaner das Bildfeld geräumt hat. Und nehme auch in Kauf, dass die meisten Leute glauben, die Zoom- und anderen Verfremdungseffekte auf manchen Bildern seien ein Ergebnis digitaler Technik, sie sind aber pure Fotografie. Ich gestalte (auch experimentell) meine Aufnahmen und nicht meine Abzüge!

Jede/r macht Fehler

Natürlich gelingt auch mir nicht jedes Bild (auf Anhieb). Der Vorteil der Digitalfotografie liegt hier in der raschen Kontrollmöglichkeit und eventuellen Wiederholbarkeit. Außerdem kostet das Fotografieren, wenn man einmal die „Hardware“ hat (fast) nichts mehr. (Das verleitet leider auch mich zum Vielfotografieren.) Eventuelle Bildmanipulationen beschränken sich auf wenige Grundfunktionen: Geraderichten eines schief geratenen Motivs, leichte Beschnittkorrekturen und Belichtungskorrekturen, wenn einmal ein Bild am Monitor doch wieder dunkler ausschaut als am Display der Kamera. Ein Problem der digitalen Spielgelreflexfotografie ist leider, dass beim Objektivwechsel immer wieder auch Staub ins Innere des Kameragehäuses dringt und sich auf dem Sensor festsetzt, was man dann an mehr oder weniger deutlichen Flecken auf dem Bild sieht. Hier bin ich für die Bildfehler-Korrekturmöglichkeiten aktueller Bildbearbeitungssoftware sehr dankbar.

Reduktion auf das Wesentliche

Ein weiterer Grundwort meiner Foto-Philosophie lautet „Reduktion“ oder besser: „Reduktion auf das Wesentliche“. Der Grundfehler bei den meisten Fotos liegt für mich darin, dass zuviel drauf ist. Helmut Loder hat anlässlich einer Ausstellung seine reduzierte Maltechnik einmal als „Leerräumen“ seiner Bilder bezeichnet. Ähnlich ist auch mein Ansatz in der Fotografie. Dabei widerstebt es mir sehr, Motive zu verändern oder gar zu „stellen“. Vielmehr verändere ich meinen Standpunkt und Blickwinkel so lange, bis auch das Objektiv der Kamera (das einzig „Objektive“ in der Fotografie) sieht, was ich in einem Motiv sehe, und meine subjektive Wahrnehmung so ins Blickfeld gerückt ist, dass alles Störende, das ich in diesem Moment ja tatsächlich nicht als störend oder meist gar nicht als anwesend erlebe, ausgeblendet ist.

Wahrscheinlich ist es dieses Ringen um den richtigen Blickwinkel, der ReisegefährtInnen manchmal fragen lässt, ob ich auf der gleichen Reise war wie sie, weil ich anscheinend Dinge gesehen habe, die sie nicht gesehen haben. Der Unterschied stellt sich für mich eher so dar: Ich habe die gleichen Dinge anders gesehen als sie.